Dinge, die ich an den Corona-Regelungen liebe

Kontakteinschränkungen

In den sozialen Medien stoße ich oft auf Beiträge, die sich hauptsächlich darum drehen, dass die Leute ihre Freunde vermissen.

Aber ich bin wirklich gerne alleine. Fast immer, wenn ich mit mehreren Menschen Zeit verbringe, wünsche ich mir schon nach 1-2 Stunden meine Zweisamkeit mit meinem Bett und mir zurück. Ich liebe nichts mehr, als morgens aufzuwachen und zu wissen, dass ich überhaupt nichts vorhabe und meinen Tag damit verbringen kann, im Schlafanzug und Pizza essend auf meinem Bett Serien schauen zu können.

Früher habe ich mich ab und zu gefragt, ob ich nicht vielleicht doch etwas mit Leuten unternehmen sollte, es ist ja schließlich Freitagabend und alle gehen feiern und ich sitze mit der dritten Pizza des Tages rülpsend auf meinem Bett. Gelegentlich kamen mir Zweifel an meiner sozialen Fähigkeit und mich trieb die Angst etwas zu verpassen in die stickigen Wände eines Clubs, in denen der Bass mein Trommelfell fast zum Platzen bringt, ich mich heiser schreie, um mich zu unterhalten und mein letztes Hemd für ein Bier geben muss (vielleicht nicht unbedingt wortwörtlich gemeint, es sei denn, der Pegel stimmt).

Doch jetzt, dank der Corona-Maßnahmen, habe ich keinen Drang mehr etwas gegen meinen Willen machen zu müssen. Ich kann den ganzen Tag sinnlos rumliegen und muss mich nicht unterhalten. Ich habe endlich einen legitimen Grund, antisozial zu sein und mir Leute vom Hals zu halten.

Mehr Freizeit

Als die Uni noch geöffnet hatte, war mein Gehirn nach einer dreistündigen Zivilprozessvorlesung und einer ebenso langen Vorlesung über Grundbuchrecht für nicht mehr zu gebrauchen, als für das Einschalten von Netflix und der Zubereitung einer Tiefkühlpizza. Der Rest meines Tages bestand demnach nur aus Essen, Serien schauen und schlafen.

Doch durch den Online Unterricht, welcher eindeutig entspannter ist, wodurch ich weitaus weniger gestresst bin, bleibt mir anschließend noch die Motivation mehr aus meinem Tag zu machen.

Nachdem ich also mehr oder weniger ausgeschlafen habe, einer Online Vorlesung halbwegs gelauscht habe und mein Gehirn nach einer Dusche endlich auf Betriebstemperatur gebracht habe, fange ich an, wirklich produktiv zu sein.

Neben dem äußerst begabten Klimpern auf meinem Keyboard, fühle ich mich gleich viel besser und ich spüre wie mein innerer Wolfgang Amadeus Mozart zum Leben erweckt wird.  Anschließend folgt eine Session auf meiner Ukulele. Siegessicher singe ich einige Songs mit, von denen ich nur zwei bis drei Akkorde kann und fange an mich zu fragen, ob meine Begabung für die nächste Casting Show reicht. Doch diese Fantasie wird schnell und doch brutal von meinem Mitbewohner zerstört, der in mein Zimmer hineinkommt: „Ey, seit wann kannst du eigentlich NICHT Ukulele spielen?“ grinst er mich an.

Mit genervtem Blick werfe ich ihn aus meinem Zimmer und schmeiße meine Karrierepläne wieder über Bord.

Ich setze mich an mein Handy und stöbere durch den Instagram Feed. Durch die ganzen Influencerinnen und Instagrammodels bekomme ich Komplexe und spaßeshalber downloade ich mir Photoshop, um die Tricks der Bildbearbeitung anzuwenden und auch wie eine Kylie Jenner auszusehen. Nach wenigen Minuten wird mir das bloße Retuschieren von Hautunreinheiten oder das Korrigieren von Lichtverhältnissen zu langweilig und ich fange an Photoshop richtig zu nutzen. Von da an besteht mein restlicher Lebensinhalt eigentlich nur daraus, Zac Efron in mein Bett zu photoshoppen. Carpe diem, würde ich mal sagen.

Text von Kyra Fügart

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